Eine psychisch-funktionelle Behandlung dient der gezielten Therapie krankheitsbedingter Schädigungen mentaler Funktionen, insbesondere psychosozialer, emotionaler, psychomotorischer Funktionen und Funktionen der Wahrnehmung und den daraus resultierenden Beeinträchtigungen der Aktivitäten und gegebenenfalls der Teilhabe.
Sie umfasst insbesondere folgende Maßnahmen zum Erreichen therapeutischer Ziele:
Aus meiner Sicht darf psychisch-funktionelle Ergotherapie jedoch nicht bei der isolierten Betrachtung einzelner Funktionen stehen bleiben. Ihr eigentlicher therapeutischer Wert zeigt sich insbesondere darin, wie sich diese Funktionen auf das konkrete alltägliche Handeln eines Menschen auswirken.
Hier liegt auch ein wesentlicher Schwerpunkt meiner eigenen ergotherapeutischen Arbeit.
Durch meine mehrjährige Tätigkeit in der Eingliederungshilfe mit Menschen mit psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen habe ich die Erfahrung gemacht, dass therapeutische Fortschritte letztlich dort relevant werden müssen, wo das Leben tatsächlich stattfindet: im Alltag.
Es geht beispielsweise nicht allein darum, Aufmerksamkeit zu trainieren. Entscheidend ist vielmehr, ob ein Mensch diese Fähigkeit anschließend nutzen kann, um seinen Tagesablauf zu strukturieren, Termine einzuhalten, einen Haushalt zu führen, soziale Kontakte angemessen zu gestalten oder eine berufliche Tätigkeit wieder aufzunehmen bzw. aufrechtzuerhalten.
Ebenso geht es bei der Verbesserung von Antrieb, Planung und Selbstwahrnehmung nicht lediglich um abstrakte Funktionsverbesserung. Ziel kann vielmehr sein, wieder morgens aufzustehen, sich selbst zu versorgen, Einkäufe zu erledigen, Behördenangelegenheiten zu bewältigen, einen Haushalt zu organisieren oder schrittweise wieder an das Arbeitsleben herangeführt zu werden.
Die Dinge des alltäglichen Lebens sind damit kein Nebenschauplatz der psychisch-funktionellen Ergotherapie, sondern ein zentraler therapeutischer Bezugspunkt.
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt daher auf der Handlungsfähigkeit und Selbstständigkeit im Alltag sowie auf der sozialen und beruflichen Teilhabe. Wo es die individuelle Situation zulässt, kann dies auch die Vorbereitung, Stabilisierung oder schrittweise Wiederaufnahme einer beruflichen Tätigkeit umfassen.
Ergotherapie ist dabei kein Ersatz für Psychotherapie
Gleichzeitig ist eine klare fachliche Abgrenzung wichtig.
In der Praxis entsteht immer wieder der Eindruck, dass Ergotherapie bei psychischen Erkrankungen als eine Art Ausweichmöglichkeit eingesetzt wird, wenn psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlungsangebote aufgrund begrenzter Kapazitäten nicht zeitnah verfügbar sind. Die strukturelle Überlastung von Psychotherapiepraxen, psychiatrischen Diensten und Kliniken ist dabei ein reales Versorgungsproblem.
Ergotherapie sollte jedoch nicht lediglich deshalb verordnet werden, weil ein anderer Behandlungsplatz nicht verfügbar ist.
Eine psychisch-funktionelle ergotherapeutische Behandlung hat eine eigene fachliche Zielsetzung. Sie setzt an krankheitsbedingten Einschränkungen mentaler Funktionen sowie deren Auswirkungen auf Aktivitäten und Teilhabe an und verfolgt daraus abgeleitete ergotherapeutische Ziele.
Das bedeutet umgekehrt auch: Ergotherapie kann eine wertvolle Ergänzung zu psychiatrischer und psychotherapeutischer Behandlung sein, ersetzt diese jedoch nicht, wenn beispielsweise eine psychotherapeutische Behandlung, medikamentöse Einstellung, psychiatrische Diagnostik oder eine akutmedizinische Versorgung erforderlich ist.
Gerade die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen ermöglicht es, unterschiedliche Ebenen einer Erkrankung zu berücksichtigen: Während beispielsweise Psychotherapie stärker an psychischen Konflikten, Erleben, Verhalten und deren Veränderung arbeiten kann, richtet die Ergotherapie ihren therapeutischen Blick insbesondere darauf, wie ein Mensch trotz seiner Erkrankung wieder handlungsfähig wird und seinen Alltag sowie seine soziale und berufliche Teilhabe möglichst selbstständig gestalten kann.
Damit ist psychisch-funktionelle Ergotherapie für mich vor allem eines: Therapie mit einem konkreten Ziel – Menschen wieder in die Lage zu versetzen, ihr eigenes Leben möglichst selbstbestimmt zu bewältigen.