Die individuelle Anfertigung von Orthesen gehört insbesondere in der Handtherapie zu den anspruchsvollen Aufgaben der Ergotherapie. Ziel ist es, durch eine passgenaue Versorgung bestimmte Gelenke und Gewebestrukturen zu schützen, Bewegungen gezielt zu begrenzen oder zu führen, Fehlstellungen entgegenzuwirken oder therapeutisch gewünschte Bewegungen zu unterstützen.
Am Anfang steht eine genaue Befunderhebung. Neben der Beweglichkeit und Gelenkstellung werden unter anderem Muskel- und Sehnenfunktion, Stabilität, Sensibilität, Schmerz, Schwellungen, Hautbeschaffenheit sowie bestehende Narben oder postoperative Veränderungen berücksichtigt. Entscheidend ist dabei auch die medizinische Zielsetzung der Versorgung.
Hand und Unterarm stellen aufgrund ihrer komplexen Anatomie besondere Anforderungen an die Orthesenversorgung. Bereits geringe Veränderungen der Gelenkposition können erhebliche Auswirkungen auf Beweglichkeit, Sehnenverlauf und Belastungsverteilung haben.
Je nach Indikation kommen unterschiedliche Konstruktionsprinzipien zum Einsatz. Dazu gehören beispielsweise:
Ruhigstellungsorthesen zum Schutz verletzter oder operierter Strukturen,
Lagerungs- und Positionierungsorthesen,
Funktionsorthesen zur Unterstützung bestimmter Bewegungsabläufe,
Korrekturorthesen,
dynamische Orthesen zur gezielten Führung oder Mobilisation,
Nachtorthesen sowie
individuell angepasste Hilfsmittel zur Entlastung und Stabilisierung.
Dabei muss genau festgelegt werden, welche Bewegung verhindert, welche zugelassen und welche gegebenenfalls unterstützt werden soll.
Für die individuelle Versorgung werden häufig thermoplastische Materialien verwendet. Diese lassen sich unter Wärmeeinwirkung verformen und anschließend entsprechend der anatomischen Gegebenheiten modellieren.
Bei der Verarbeitung spielen Materialstärke, Steifigkeit, Temperaturverhalten, Kantenführung und Polsterung ebenso eine Rolle wie die spätere Belastung der Orthese.
Besonders wichtig ist eine gleichmäßige Druckverteilung. Prominente Knochenpunkte, empfindliche Narbenbereiche und sensible Hautpartien müssen berücksichtigt werden. Gleichzeitig darf die Orthese die Durchblutung, Sensibilität oder notwendige Bewegungsfreiheit nicht beeinträchtigen.
Die therapeutisch gewünschte Stellung wird nicht zufällig gewählt. Gelenkachsen, Sehnenverläufe und funktionelle Zusammenhänge müssen bei der Konstruktion berücksichtigt werden.
Je nach Ziel kann beispielsweise eine bestimmte Gelenkstellung gehalten, eine unerwünschte Bewegung blockiert oder eine kontrollierte Bewegung zugelassen werden. Bei dynamischen Konstruktionen kommen zusätzlich Zugrichtungen, Hebelverhältnisse und die Dosierung der einwirkenden Kräfte hinzu.
Gerade an der Hand kann dabei eine sehr kleine Veränderung der Anlagefläche oder Zugrichtung die Funktion der gesamten Orthese verändern.
Nach der Fertigstellung wird die Orthese unmittelbar auf Sitz, Bewegungsfreiheit, Druckverhältnisse und Funktion überprüft. Dabei werden auch das selbstständige An- und Ablegen sowie die praktische Handhabung vermittelt.
Eine Nachkontrolle ist insbesondere bei veränderten Schwellungsverhältnissen, fortschreitender Heilung oder zunehmender Mobilität sinnvoll. Die Orthese kann anschließend nachgearbeitet oder in ihrer Funktion angepasst werden.
Eine professionelle Orthesenversorgung endet deshalb nicht mit dem Erreichen der gewünschten Form. Entscheidend ist die präzise Abstimmung von Indikation, Konstruktion, Material, Positionierung und Trageanforderung.
Gerade bei Hand und Unterarm verbindet die ergotherapeutische Orthesenanfertigung damit medizinisches Fachwissen, funktionelle Anatomie, biomechanisches Verständnis und handwerkliche Präzision.