Kinesio-Taping kann als ergänzende therapeutische Maßnahme eingesetzt werden, um die Behandlung von Beschwerden und funktionellen Einschränkungen gezielt zu unterstützen. Dabei wird ein elastisches Tape auf die Haut aufgebracht, um über mechanische und sensorische Reize die Wahrnehmung und das Bewegungsverhalten in einem bestimmten Körperbereich zu beeinflussen.
In der Ergotherapie steht dabei nicht das Tape als Selbstzweck im Vordergrund. Entscheidend ist vielmehr die konkrete therapeutische Fragestellung und die Frage, ob durch das Taping eine für den Patienten relevante Veränderung der Funktion oder Aktivität erreicht werden kann.
Mögliche Einsatzbereiche können unter anderem sein:
Unterstützung der Körper- und Bewegungswahrnehmung,
sensorische Reizsetzung,
Unterstützung bei der Anbahnung oder Korrektur von Bewegungen,
begleitende Behandlung von Schwellungen und Ödemen,
Unterstützung bei der Wahrnehmung und Regulation von Muskelspannung,
Entlastung bzw. Unterstützung bestimmter Strukturen während einer Bewegung,
ergänzende Maßnahmen bei Schmerzen sowie
Unterstützung bei der Durchführung bestimmter Alltags- oder Bewegungsaktivitäten.
Kinesio-Taping sollte dabei nicht losgelöst von einer ergotherapeutischen Befunderhebung und Zielsetzung betrachtet werden.
Das Tape ist kein Ersatz für aktive Therapie, funktionelles Training oder die Auseinandersetzung mit den konkreten Anforderungen des Alltags. Vielmehr kann es als zeitlich begrenzte Unterstützung eingesetzt werden, wenn dadurch eine therapeutisch relevante Veränderung erreicht wird.
Beispielsweise kann ein Tape dazu beitragen, dass eine Bewegung besser wahrgenommen wird, eine bestimmte Körperregion während einer Aktivität bewusster eingesetzt wird oder eine Bewegung vorübergehend erleichtert beziehungsweise kontrollierter ausgeführt werden kann.
Entscheidend ist anschließend die Übertragung dieser Veränderung in eine konkrete Handlung.
Denn auch beim Kinesio-Taping gilt ein grundlegendes Prinzip der Ergotherapie:
Nicht das Tape ist das Therapieziel. Es soll dem Menschen ermöglichen, etwas besser zu tun.
Die Maßnahme wird deshalb individuell ausgewählt, hinsichtlich ihrer Wirkung beobachtet und bei Bedarf angepasst oder wieder beendet. Bleibt ein relevanter funktioneller oder alltagsbezogener Nutzen aus, sollte das Taping nicht allein aufgrund der Methode fortgeführt werden.
Kinesio-Taping ist somit am sinnvollsten als ergänzendes therapeutisches Werkzeug innerhalb eines individuell begründeten Behandlungskonzeptes zu verstehen – nicht als eigenständige „Wundermethode“.